22. Sept. 2011
Mundart Versionen


Der Stumm uf der Strickbrugg

E Frau vo Seebe hed mer verzellt: Mi Grossvatter, der Xaver Schärer, isch Zimmermaa gsi. Einisch hed er z Lauel ähne gschafed. Zobe spot isch er heitramped mit sir Wärchzüghutten am Rügge. Bi der Saage z Brätzbel isch e Maa zuenem gstoosse und näbeine gloffe. Euse Grossvatter isch eisder e nuefere, gspröchige Maa gsi. Är hed mit däm Frönden ufoschwätze vo däm und vo disem. Aber dää ischnäbeine gloffe und hed ekei Wank too, as er öpis verstieng. Au Wone euse Grossvatter gfrogt hed, wohär und wo uus, hed dä Maa weder gix no gax gmacht. Nit emol eMine verzoge hed er! Nume Schritt ghalte hed er midem und es Gsicht derzue gmacht, wie siee Taag Rägewtter. Das hed em Grossvater eisder weniger wölle gfalle.
Wo si zu dr Strickbrugg cho si, het dr Grossvater si schweri Hutten ufem Mürli abgstelltfür e chlizverschnufe. Do isch dä Taubstumm a bliebe Stoh und het Löcher in dLuft gluegt. Das anem chläbe wiene Zägg aber enewäg keis Muul uftue het eusem Grossvater der Närv gchutzeled. «Mit däm uheimlige Sürmel muess me Fraktur rede!» hed er dänkt. Er isch us de Ringge gschloffe und hed e Spundachs us der Chiste gnoo. «So, du Cheib, gisch ,jetz ä Antwort oder nit?» brüeled er dä Stumm a und ziet dAchs gäge ne uuf. Do macht dä Frömde Satz näbenuse gägem Rächtebärg übere isch wägg, eifach wägg.
Im glyche Augeblick chund vo dört här e Strich Räge über euse Grossvatter dar. Es hed Gschüttlet und prätscht, wie wenn er unger eme Wasserfall stieng. Eins-zwei isch er dräckpflotsch nass gsi duryne. Im Wyterlaufen isch S Wasser abem grunne. Es hed grägned, wie wenn öpper Chesslen überem usleerti.
Wo der Grossvatter bi der Steigruebe zum Rächtebärchrüzli chund, hört die Rägeschwetti uuf, wie abghaue. Är hed ufgschnuufed zum Dank es «Ehre sei...» bätted. Do wird’s ihm ganz ganz wohl und liecht. Woner vorem Abelueget, isch er wider troch. Er hed griffe und nid chöne verstoo, wieme vo eim Augeblick ufenanger cha bachnass und denn troch und warm sy. Erscht jetz isch eusem Grossvatter die ganzi Gschicht uheimlig vorchoo. E Rung isch er gstange aber er hed ekei Rym druuf gfunge. Do Hets em afo gruuse. Er isch afo laufe, was gisch, was hesch. Cheesbleich und ganz vergelschteret isch er sälben Obe heichoo.


Der Pfaffesprung

Vo 1890 bis 1897 hei d Hobler der Luzärner Anton Buecheli als Pfaarer gha. Dä fründlig Heer isch überuus guet mit de Lüüte zschlag choo. Aber nit wäge de chlöpfige Predige und em lustige Christelehre isch er de Hobler bsungers i der Erinnerig blibe. En Unfall hed en im Dornechbärg unstärblig gmacht.
Amene Meendig - em Rabesundig, wie bösi Zunge säge - hed der Pfaarer Buecheli, mit sine Kolleege usern Dornechbärg, im Seebener Pfaarhuus es gmüetligs Fäst gfyred. Derby ischs spöter worden as süscht. Derno hed der Hobler Pfaarer bi stockdickem Näbel, i der feistere Nacht, der Heiwäg müese unger d Füess nee. Vorsichtig, wiener gsi isch, hed er nit der nööcher, aber znacht uheimliger Wäg übere Radacher gwählt. Er hed der wyt Umwäg der Landstrooss noo über d Ziegelschüüre gmacht.
Eisder schön ein lingge Wägrand noo isch der Pfaarer guet voraa choo. Aber bi der Ziegelschüüre isch em dä lingg Wägrand zum Verhängnis worde. Statt graduus z laufe, hed er d Abzweigig em Wald noo gägem Brästenegg verwütscht. Erst dehing hed ers gwahred und hed si wider welle oriäntiere. Derby tramped er näbem «Tote Maa» is Leeren use und fallt abe.
Zum Glück hed der Pfaarer si längi Chutten agha. Mit deren isch er am Dolder vonere Bueche erbhanged. Das hed em s Läbe gretted. Aber er isch verschürpft und quätscht gsi und hed eis Bei sogar broche gha, as er nit imstang gsi weer, abezchlädere. Do hed er afo um Hilf rüefe. Aber gly hed er müese ygseh, as das zmitts i der Nacht zunutz sig. So guet as müglig hed er si a Buecheneste gsichered, as er nit witer abetrooli und hed si Stimm gschooned.
Gfangen uf däm höche Baum, si em Pfaarer Buecheli den alte Hobler ihri Gspänstergschichte i Sinn choo. Me hed gseit, der bös Geist vo Nider Tyflede tryb si i de finstere Nächte im Hutzmer ume und füer d Lüüt ab Wäg. Und uf der Falkeflue, heds gheisse, regier i de Winternächte der bös Geist vom Eigehof und vexier die, wo spot ungerwägs sige. Weles vo dene beede Gspängster as en ab Wäg gfüert heig, weer em Pfaarer wurst gsi, wenn er nume nit so grässlig hätt müese früüre i der nasse Chelti. Wos gägem Morge gangen isch, hed er wider afo schreie, was er us de Lunge broocht hed.
Ändlige hei si ufern Hof Luegi, uf Duggigerbode, das Gschrei köört. Der Buur Saladin hed Antwort gee, isch däm Ruef noche und hed der Pfaarer gfunge. Er hed aber zerst müese meh Lüüt go reiche. Do hei si mit Leitere, Seili und Stange, nume unger grosser Müei, dä verletzt Maa chöne abenee und ufe Hof träge.
Dank sir chäche Natur und der guete Gsundheit hed si der Pfaarer Buecheli vo däm Unfall guet erholt, und es isch em keis Müüssi blibe. Aber d Hobler hei jetz gwärweised, wele bös Geist as ächt ihre Heer ghelcht und überuus gmüpft heig. Und bösi Zunge hei sälbem Fels, wo der Pfarrer Buecheli überuus tramped isch, der Übername Pfaffesprung aghänkt.


D Holzebärggeiss bim Gausmed

Lang hei d Seebner und d Ziefner mitnanger gchääred wägen ihrne Einigsgränze. D Ziefner hei sen übere Gupf vom Holzebärg zum Gausmed abe und denn zum Strick ufe welle. Aber d Seebner hei styf und fest bhauptet, der ganz Holzebärg köör no uf ihri Site. Bimene Augeschyn si derno beed Parteie inanger uf halbem Wäg ergäge choo. DGscheidmanne hei dMarch abgsteckt und d Baansteine parat gleit. Mörnderisch hed me se wölle setze.
Für der ewig Fride z fyre hed do der Seebner Gmeinrot d Usschüss vo Ziefe i ihri Dorfwirtschaft zumene guete Zoben iglade. Derwyle si aber angeri Seebner flyssig ader Arbed gsi. Si hei d Marchsteine um ne guete Bitz witer übere, uf Ziefner Bode gfuuged.
Am angere Morge, wos as Setze gangen isch, hei d Ziefner der Pfäffer gschmöckt und ufbegährt. Aber d Seebner hei fest bhauptet, doo sig nüt Urächts gange. Eine vo de Gmeinröt hed sogar gschwore: «I wod e Geiss heisse, wenn das nit s richtige March isch, so wies d Gscheidmanne gest er usgsteckt hei:» Uf das hi hei d Ziefner müese noogee und die Marchsteine si am faltschen Ort gsetzt worde.
Nit lang drüberabe isch sälbe hitzig Seebner Gmeinrot gstorbe. Do hei d Lüüt ufern Hof Gausmed es erbärmligs Meggele köört vom Holzebärg obenabe. Angeri hei die Holzebärggeiss sogar gseh, der Gränze noo hötterle. Sie hed es fuchsrots Lybli agha, und ihres Gschrei isch eim dur March und Bei gange.
E Frau vo Ziefe hed einisch mit ihrne Chinge gägem Chöpfli ue Holz ufgläse. Si si grad am Burdne gsi, do ischs ufsmol feister worden obenine. Und si hei eisder e Geiss gar beduurlig kööre meggele. Tifig hei si ihri Burdene gschnüered und ufglade. Chuum si si zum Wald uus gsi, so isch s Uwätter scho choo. Es hed gschütted und prätscht wie no nie. Muusnass si si heichoo.


Der Riisebärg und d Gauggelmaahöhli

Wenn me hinger der Müli vo Seebe der Stich uuf goht, chund men a stotzigi Felse häre. Drin isch d Gauggelmaahöhli, oder s Guggimäns¬hüsli, wienere angeri säge. Dört drin si scho vor uralte Zyte Härdmännli gwohnt. Si si aber nit ihren eiged Heer und Meister gsi. Mit Huut und Hoor hei si em Riis Gauggelmaa köört und em müese trabante.
Unger Seebe zue stoht überem Hof Eige no hüt der Riisebärg. Dä isch ganz früener vill höcher gsi, der höchst Bärg wyt und breit. Zoberist uf däm prächtige Bärg hed der Riis Gauggelmaa si gwaltigi Burg gha. V 0 dört uus hed er als König übers ganze Land regiert. E stobere, stränge Maa sig dä Gauggelmaa gsi. Sini Lüüt sigen em gärn us Wäg gange. Und au mit der Riisefrau und de Chinge sig nit guet Chirsi z ässe gsi.
Do heds einisch es gwaltigs Ärdbebe gee. Das hed der stotzig Riisebärg eso hert gschüttled, as der ganz ober Teil zant der Riiseburg s Übergwicht überchoo hed. Es hed kroosed und donnered, me hed gmeint di ganzi Wält göi unger, wo d Riiseburg zämekrached isch. Di ganzi Gauggelmaafamili isch drunger erschlage und vergrabe worde. Imene grüslige Bärgsturz isch demo d Burg mit der Bärgflangge, wo si druff gstangen isch, is Tal abe pochled. No lang heds grumpled, und der Bode hed bebned.
Women ändlige wider heiter gseh hed, isch i sälber Gäged alls ei Steiwüesti gsi, mit greebelige Felsebrochen übersäit. Die Gröllhalde hed d Bäch gstellt, wo vom Homberg und vo Seebe här choo si. Däwäg heds e längzogne See gee, wo vo Tag zu Tag no lenger worden isch, bis s Wasser doch doo und dört echli hed chönne absickere.
Jetz hei d Härdlüütli is Gauggelmaas Höhli kei Heer und Meister me gha und d Seebner au nit. Johruus-johry si derno die guetmeinige Zwärgli de brave Lüüte vo Seebe cho der Chummerzhilf mache. Aber zletscht hei Undank und Wungerfitz vo de Mönsche dene schüüche Härdmännli der Boge gee. Zid gwüss meh as hundert Johre isch keis me vone us der Gauggelmaahöhli vüre¬gschloffe und is Dorf choo.


E böse Geist im Eige

Der Eigehof z Himmelried lyt nooch ader Gränze gäge Seebe und gägem Baselbiet. Er hed früener zum Chlosterbsitz vo Mariastei köört. No hüt hei si us sälber Zyt s Grosschällnerzimmer. Demo hed d Gmein Seebe der Eigehof chöne chaufe. der Zyt vo de Steiheere ischs emol ufern Eige unghüürig gsi. Nacht für Nacht hei d Ross ad Plamper gholzed und hei too wie lätz. Am Morge, wenn der Lächemaa i Staal choo isch, si die arme Tier ganz vergeistered gsi. Si hei züpfledi Chambhoor und Schwänz gha, und me hed chuum a se häredörfe.
Es paarmol hed e Chnächt, oder der Lächemaa sälber, im Staal gwached. De isch alles ruehig blibe bis am Morge. Aber es hed doch nit jedi Nacht öpper chöne der Staal bewache. D Steiheere si Huus und Schüür und Staal cho gsägne; aber das hed chuum acht Tag batted, de isch di alti Komeedi wider losgange.
Do isch der Lächemaa uf Domech is Chapezinerchloster go Hilf reiche. En alte Pater isch mitem heichoo. Dä hed bätted und gwieräuchered und gsprützt. Aber es isch lang gange, bis sem grooten isch, der bös Geist ines Gütterli z banne. Do hed der Pächter ine guet wachsigi Tanne müese ne Hick haue. Dört dry hed me das Gütterli gschopped und der Chlack wider vermacht. Innert churzer Zyt isch do das Fläschli im Stamm inne ygwachse. - Der guet Pater aber hed es Müüssi dervootreit: Er hed a sälbem Tag sis Ghöör verlore und nie me zrugg überchoo.
Viel spöter, wo niemer me a die Sach gsinned hed, isch di alti Tanne midem Gütterli drin umtoo worde. Der bös Geist isch ertrunne und hed wider sini alte Zleidwärchereie im Rossstaal tribe. No einisch hed en e Chapeziner müese cho ines Gütterli ytue. Dasmol hed mes ine Fluechlack gsteckt. Dää isch demo verpflastered und zuegmuured worde. So viel as me weiss, isch dää Pater ungschoore dervoochoo. Und ufern Hof Im Eige hei si zidhär Ruei im Staal.


Deutsche Versionen

Der Stumme auf der Strickbrugg

Eine Frau aus Seewen erzählte mir: Mein Grossvater, Xaver Scherrer, war Zimmermann, Einmal arbeitete er in Lauwil. Am späten Abend lief er mit seiner Werkzeugkutten am Rücken nach Hause. Bei der Sägerei in Bretzwil war ein Mann dazugestossen und lief neben ihm her. Unser Grossvater war ein ausgesprochen gesprächiger Mann. Er fing an, mit diesem Fremden über dies und das zu rede. Aber der Fremde lief nur nebenan und tat, als ob er nichts verstehen würde.
Auch als unser Grossvater fragte woher und wohin er möchte, hätte dieser Mann weder gix noch gax gemacht. Er hatte nicht mal eine Miene verzogen. Er hat nur Schritt gehalten und ein Gesicht verzogen, wie sieben Tage Regenwetter. Dies gefiel dem Grossvater immer weniger.
Als sie zur Strickbrugg kamen, stellte der Grossvater seinen Schweren Kutten auf die Mauer um ein bisschen zu verschnauffen. Da blieb dieser Taubstumme stehen und schaute Löcher in die Luft. Das dieser an dem Grossvater kleben blieb wie eine Zecke und nichts reden konnte, ging dem Grossvater an den Nerf. „Mit diesem unheimlichen Sürmel muss man Fraktur reden!“ dachte er. Er ist aus den Ringgen geschloffen und nahm eine Spundachse aus der Kiste. „So du Komischer, gibst du jetzt eine Antwort oder nicht?!“ Brüllte er den Stummen an und zog die Achse gegen ihn auf. Da machte der Fremde einen Satz Richtung Rechtenberg und war weg, einfach weg. Im gleichen Augenblick kommt von dort ein Strich Regenüber unseren Großvater hinweg. Es hat geschüttet und preschte als stehe er unter einem Wasserfall. Eins zwei war er durchnässt bis nach innen. Im Weiterlaufen lief ihm das Wasser nur noch so herab. Es regnete als ob jemand Eimer voll Wasser ausleerte.
Als der Grossvater bei der Steingrube zum Rechtenberger Kreuz kam, hörte die Regenflut auf wie abgehauen. Er schnauffte auf und betete zum Dank ein „Ehre sei…“. Da wurde es ihm ganz wohl und gemütlich. Als er sich nun anschaute, war er wieder trocken. Er fasste den Stoff an und konnte nicht verstehen, wie man vom einen auf den anderen Augenblick zuerst ganz nass und dann so trocken werden kann. Erst jetzt wurde unserem Grossvater die ganze Geschichte unheimlich. Er Stand da eine weile und fand keinen Reim auf diesen Vorfall. Da lief er so schnell er konnte, und kam Käsebleich und wie vergeistert nach Hause.


Der Pfaffensprung

Von 1890 bis 1897 hatten die Hochwaldner den Luzerner Antoon Buecheli als Pfarrer gehabt. Dieser freundliche Herr war mit den Menschen überaus gut ausgekommen. Aber nicht nur wegen den tollen Predigten und der lustigen Christenlehre ist er den Hochwaldnern besonders in Erinnerung geblieben. Ein Unfall auf dem Dorneckberg hat ihn Unsterblich gemacht.
An einem Montag, dem Rabensonntag wie böse Zungen sagten - feierte der Pfarrer Buecheli mit seinen Kollegen vom Dorneckberg, im Seewener Pfarrhaus eine gemütliche Feier, Dabei wurde es später als sonst. Danach hatte der Hochwaldner Pfarrer bei stockdichtem Nebel, in dieser finsteren Nacht den Heimweg in angriff nehmen müssen. Vorsichtig wie er war, hatte er den nicht näheren aber unheimlicheren Weg über den Radacker gewählt. Er nahm den langen Umweg an der Landstrasse über die Ziegelschüren. Am linken Wegrand kam der Pfarrer gut voran. Bei den Ziegelschüren sei ihm dieser linke Wegrand zum Verhängnis worden. Anstatt gerade aus zu laufen, nahm er aus versehen die rechte Abzweigung dem Wald entlang Richtung Brestenegg. Erst am ende vernahm er dieses Irrtum und wollte sich erneut orientieren.
Dabei schritt der Pfarrer neben dem vermeintlichen toten Mann ins Leere hinaus und fällt hinunter.
Zum Glück hatte der Pfarrer seine lange Kutte an. Er hängte mit seinem Dolder an einem Buchenbaum. Dies rettete ihm das Leben.


Die auf mundart geschriebene Texte stammen von Elisabeth Pfluger aus dem Buch „Solothurner Geistersagen“ erschienen ca. 1986